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Kibrary of the Museum

OF

COMPARATIVE ZOÖLOGY,

AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS.

Founded by private subscription, in 1861.

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The gift. of che Natur f 5 Gr blsch.. RU en.

No. 1/43. I SEO:

Pr

Mittheilungen

der

Naturforschenden Gesellschaft in Bern aus dem Jahre 1880.

nannnno

Nr. 979—1003.

Mit 6 lithogr. Tafeln

und mehreren in den Text gedruckten Holzschnitten,

Bern. (In Commission bei Huber & Comp ) Buchdruckerei B. F, Haller.

ragt.

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Inhalt.

Bericht des Präsidenten, Prof. Dr. J. Bachmann, Ueber die Thätigkeit der bern. naturforschenden Gesellschaft im Jahr 1879/80 . Verzeichniss der im Jahre 1880 der Bibliothek der a. naturf. Gesellschaft zugekommenen Schriften Verzeichniss der Mitglieder am Schlusse des Jahres 1880 Arnold, Carl, Dr. ıned. Beiträge zur vergleichenden Physiologie Bachmann, Isidor, Prof. Dr.

Verwerfungen in einer Kiesgrube bei Bern und neu entdeckte verkieselte Hölzer im Gletscher- schutt..

Notizen über die Entstehung der Bohnerzlager im Deisbergerthale

Neues Vorkommen von Schwerspath bei Thun

Coaz, eidgen. Oberforstinspektor. Ueber das frühe Aufblühen von Gentiana verna und Primula farinosa Fischer, L., Prof. Dr. Neuere Forschungen im Gebiete der Uredineen Ueber unterirdische Pilze . Fellenberg, Edm., Bergingenieur.

Die Kalkkeile am Nord- und Südrande des west- lichen Theiles des Finsteraarhornmassivs (mit 2 lithogr. Tafeln.)

Graf, H., Dr.

Zur Bestimmung der speeifischen Wärme bei con- stantem Volumen von Gasen Guillebeau, A., Prof. Kleine teratologische Mittheilungen (mit 2 Holz- schnitten) Haller, G., Dr. Ueber die Larvenformen der Milben .

Sitzungs- berichte

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Luchsinger, Prof. Dr. Zur Theorie der Reflexe und der Reflexhemmung Ueber das Centralnervensystem des Blutegels Ueber den Einfluss des Lichts und der Wärme auf die Iris einiger Kaltblüter Zur Leitung nervöser Erregung . Pflüger, Prof. Dr. Der gegenwärtige Stand der Farbenblindheitsfrage Quiquerez, D". Notice sur quelques produits observes dans la de- molition des hauts-fourneaux du Jura bernois Rothen, Telegraphensekretär. Der gegenwärtige Zustand der Telephonie .- h Schuppli, M. Verzeichniss von im November u. Dezember blühend gefundenen Phanerogamen Schwarzenbach, Prof, Dr. Ueber Weinfälschung Studer, Th., Prof. Dr. Ueber Knospung und Theilung bei nen (mit 8 Holzschnitten) . Beitrag zur Fauna der Steinkoralleu von Singapore (mit 18 Holzschnitten) . Ueber den Fund von Resten der Gemse in der Pfahlbaustation Lattrigen Ueber die Anatomie der Siphonaria redimienlum, Reeve Ueber die statistische Aufnahme Mt Farbe der Haut und Augen im Kanton Bern (mit 4 lithogr. Farbendruck-Tafeln) L Ueber eine Tabelle der nützlichen und. schädlichen Vögel. 5

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Bericht über die Thätigkeit der bernischen naturforschenden Gesellschaft vom 10. Mai 1879 bis zum 1. Mai 1880.

Vorgetragen am 1. Mai 1830, vom Präsidenten Prof. Dr. J. Bachmann.

Tit. !

Nach Vorschrift unserer Statuten hat der jeweilen abtretende Präsident einen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr zu erstatten.

Unsere Gesellschaft zählt auf Ende 1879 nach dem von den Herren Sekretär und Kassier aufmerksam revi- dirten Verzeichniss 229 wirkliche und 31 korrespondirende Mitglieder. Zu allgemeinem Bedauern sind zu früh eine Reihe von verdienten Männern uns durch den Tod ent- rissen worden. Die Namen der Herren Oberst Sieg- fried, Dr. Rud. Schneider und Apotheker Guthnik haben zum Theil schon in den frühern Sitzungen Er- wähnung gefunden. Ihr Andenken wird uns immer theuer bleiben; sie alle haben sich durch ihr Leben und ihre Thätigkeit sie weit überlebende Verdienste erworben.

Herr Guthnik sel. hat insbesondere die hiesigen naturhistorischen Sammlungen, das Museum und den botanischen Garten sowie die höhern kantonalen Lehr-

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anstalten zu Erben seines während eines langen Sammel- lebens zusammengebrachten botanischen und mineralo- gischen Materials, sowie seiner Bibliothek eingesetzt. Derselbe Gönner hatte sich schon früher um die gross- artige Schuttleworthdonation an das städtische Museum nicht zu unterschätzende Verdienste erworben.

In dem Zeitraum, über den wir zu berichten haben, wurden 12 allgemeine Sitzungen abgehalten. Dieselben fielen den hiesigen Verhältnissen und Gebräuchen ent- sprechend hauptsächlich auf die Wintermonate. Von No- vember bis Anfangs März fanden regelmässig alle 14 Tage meistens sehr belebte Versammlungen statt. Die Zahl der Besucher schwankte zwischen 12 und 48.

Grössere Vorträge wurden von Einzelnen zu wiederholten Malen -- gehalten von den Herren Beck, Coaz, Fankhauser, Edm. von Fellenberg, Fischer, Guillebeau, Luchsinger, Perty, Schaffer, Schwarzenbach, Th. Studer und W. Trechsel und dem Berichterstatter. Die- selben lieferten meistens ein werthvolles Material für unsere Mittheilungen, oder fanden doch weitläufigere Be- rücksichtigung in den Sitzungsprotokollen. Ausserdem gab die Diskussion Anlass zu zahlreichen kleinern Mit- theilungen.

Leider war es nicht möglich, einem im vorigen Jahre gefassten Beschlusse, durch Vereinfachung des Geschäfts- ganges und Herbeiziehung auch kleinerer Vorträge, die etwas schwierige Lage der Gesellschaft zu heben u. s. f., in vollem und wünschbarem Umfange nachzuleben. Regel- mässige Sitzungen wurden, wie gesagt, gehalten, allein eine Aufstellung zahlreicherer und mannigfaltigerer Trak- tanden wollte noch nicht gelingen, wie schon ein Vergleich der Zahl der Vortragenden mit derjenigen der Mitglieder

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zeigt. Gegenseitige Belehrung und Verbreitung natur- wissenschaftlicher Kenntnisse und Forschungsresultate ge- hören übrigens auch zu den Hauptaufgaben der Thätigkeit unserer Gesellschaft. Die Behandlung der besprochenen wissenschaftlichen Gegenstände, welche sachgemäss häufig vie] Zeit beanspruchte, zeichnete sich aber immer durch gebührende Originalität aus.

Nachdem im vorletzten Berichtsjahre blos 4 öffent- liche Vorträge zu Stande gekommen, unterblieben sie im letzten Jahre ganz

Von den statutengemäss möglichen Sektionen be-

steht augenblicklich nur noch die entomologische.

Dieselbe hält, ihre Angehörigen durch Bietkarten besam- melnd, ihre regelmässigen monatlichen Sitzungen. Die Herren Benteli, Notar, Dr. G. Haller, Ed. von Jenner, Conservator A. Müller, Prof. Dr. Perty, Th. Studer u. A. bethätigen sich vorwiegend bei den Verhanllungen. Das Präsidium liegt zur Stunde in der Hand des Hrn. Prof. Dr. Theophil Studer, während Hr. E.vonBüren-von Salis die Schriftführung jüngst übernommen hat.

Eine besondere Erwähnung verdienen noch die Mit- theilungen für das Jahr 1879, welche ihnen bereits zugestellt worden sind. Ausser den gewöhnlichen Mate- rien enthalten dieselhen nämlich ein von Herrn Sekretär J. Fankhauser in verdienstvoller Weise zusammen- gestelltes Personal- und Sachregister, über die Mittheilungen der bis Neujahr 1880 verflossenen 25 Jahre, als Fortsetzung eines solchen 1854 von Herrn Professor Wolf redigirten Verzeichnisses. An sich schon sehr belehrend, muss ein solches Inhaltsverzeichniss früherer Jahrgänge, zumal auch später eingetretenen und eintre- tenden Mitgliedern sehr erwünscht sein.

Die Bibliothek der bernischen, wie auch der schweizerischen Gesellschaft, wurde in altbewährter und uneigennützigster Weise von Hrn. Koch, unterstützt von Hrn. Theodor Steck, verwaltet Durch Geschenke an dieselbe machte sich insbesondere Hr. Edm. von Fellenberg verdient.

Die Jahresrechnung, abgelegt von Hrn. Apo- theker B. Studer jun., erzeigt laut Protokoll ein ausser- gewöhnlich günstiges Resultat.

Mit dem besten Dank für die freundliche Unter- stützung meiner aufrichtigen Bemühungen, die Interessen der Gesellschaft zu fördern, ersuche ich Sie zur Wahl eines neuen Präsidenten schreiten zu wollen.

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Sitzungsberichte.

698. Sitzung vom 16. Januar 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender: Präsident Prof. Dr. J. Bachmann. Se-

kretär: J. Fankhauser. 20 anwesende Mitglieder. 1) Das Protokoll vom 27. Dezember 1879 wird ge- nehmigt.

2) Herr Präsident Prof. Bachmann gedenkt des ver- storbenen Mitgliedes Dr. J. R. Schneider, der nicht nur durch seinen Patriotismus und durch seine unermüdliche Thätigkeit als Arzt, sondern auch durch seinen -_wissen- schaftlichen Sinn, sogar in seinen letzten Lebenstagen, sich ausgezeichnet hat.

3) Herr Turninspektor Niggeler erklärt seinen Austritt aus der Gesellschaft.

4) Der „Verein für Höhlenkunde“ in Wien zeigt der bern. naturf. Gesellschaft seine Konstituirung (19. De zember 1879) an, die Gründungsmitglieder haben folgendes Einbegleitungs-Comite gewählt: Präsident: Hr. Hofrath Dr. Franz Ritter von Hauer. I. Vice-Präsident: Hofrath Prof. v. Hochstetier. II. Vice-Präsident: Franz Kraus. I. Schriftführer: Richard Issler. II. Schriftführer : (un- besetzt). Archivar: Ed. Graf. Kassier: Felix Karrer.

5) Prof. Fischer bespricht die neueren Forschungen im Gebiete der Uredineen; speziell die von de Bary kürz- lich veröffentlichte Entwicklungsgeschichte von Chryso- myxa Rhododendri, deren Telentosporenlager und Uredo auf den überwinternden Blättern der Alpenrosen, die zu- gehörigen Aecidien (Peridermium abietinum) und Spermo- gonien auf den jungen Trieben der Rothtannen auftreten. Der Vortragende erläutert seine Mittheilungen durch Vor- weisungen von Objekten und mikroskopischen Präparaten.

6) Herr Prof. Dr. Th. Studer spricht a) Ueber Theilung und Knospung der Steinkorallen (folgt in den Mittheil.); b) Ueber die Gattung Hemimerus, welche einer neuen, von Hrn. de Saussure entdeckten Arthropodengattung mit 4 Kieferästen angehört.

7) Als Rechnungspassatoren werden gewählt: die Herren Kesselring und Langhans.

Ende 9'/, Uhr.

699. Sitzung vom 31. Januar 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Prof. Dr. J. Bachmann. Se- kretär J. Fankhauser. 24 anwesende Mitglieder.

1) Das letzte Protokoll wird genehmigt. |

2) Herr Bezirksingenieur v. Steiger erklärt seinen Austritt.

3) Herr Ed. v. Fellenberg, Berg-Ingenieur, hält einen Vortrag über die Contactverhältnisse der westlichen Par- tien des Finsteraarhornmassivs (folgt in den Mittheilungen).

4) Herr Walther Trechsel, Chemiker auf der Rütti, spricht über seine neue Methode der Bestimmung des Kalis in organischen Substanzen, speziell in künstlichen Düngstoffen.

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I. Allgemeine Behandlung organischer Stoffe zur Be- stimmung der mineralischen Bestandtheile. Einäschern. Folgen : Verlust von K? O bei längerem Glühen, da dasselbe den Düngern meist in Form von KCl zuge- setzt ist. Säuren können oft bestimmt werden, ohne die organische Substanz zu zerstören (N, O, und P°O°) Metalle hingegen nie wegen ihrer verhältnissmässigen Nichtflüchtigkeit (können nie abdestillirt werden). Eine Ausnahme machen die Ammoniumverbindungen.

lI. Aeltere Methoden.

Einäscherung. a) in der Muffel. Verlust von K?O durch Verdampfen, besonders wegen starkem Luftstrom. Verhältnissmässig langes Glühen ist erforderlich. b) in offenem, schiefliegendem Tiegel. Sehr langes Glühen, besonders bei Anwesenheit von viel stickstoffhaltigen Sub- stanzen und. viel phosphorsauren Verbindungen. Daher ist ver Verlust von K?O ziemlich bedeutend. Die Ein- äscherung kann oft beschleunigt werden durch suc- cessives Auswaschen mit Wasser, erfordert aber sehr viel Zeit.

In beiden Fällen löst man in Salzsäure mit Chlor- baryum, Ammoniak und kohlensaurem Ammoniak, Phos- phorsäure, Schwefelsäure, Calcium aus, filtrirt, verdunstet zur Trockne und glüht zur Abscheidung der Ammonsalze, abscheiden der Magnesia mit Barytwasser, ausfällen des überschüssigen Baryum mit 2 (NH*) CO°, verdampfen zur Trockne, glühen zur Entfernung der Ammonsalze und be- stimmen der K?O als K?Pt Cl‘.

c) Mohr’sche Methode. Direkt mit Ba Cl?” Das Einäschern erfolgt etwas schneller. Das Lösen in Salz’

säure unterbleibt. Im Uebrigen sind die Vorgänge wie bei b) und a).

III. Neue Methode.

5 Gramm Substanz werden mit 5 Gr. eines Gemenges von 20 Gr. BaCl?O° und 80 Gr. BaH?O? gemischt (Darstellung und Prüfung dieser beiden Substanzen), zur Rothglut erhitzt, bis die Masse langsam verglimmt. Meist wird die Masse beim ersten Male weiss, sonst setzt man noch etwas Ba CI?O° zu. Die Verdunstung des K?O ist während der kurzen Zeit der Erhitzung und wegen der niedrigen Temperatur kaum nachweisbar. Die im Tiegel zurückbleibende Masse wird fein zerrieben, mit Wasser ausgekocht; zu gleicher Zeit leitet man einen Strom von Kohlensäure durch „ie Flüssigkeit, um überschüssigen Ba H°O° auszufällen (immer bei 100°, damit kein BaH’C?O, gebildet wird).

a) Bei nicht allzugenauen Analysen wird direkt auf 250% verdünnt, man lässt absitzen und pipettirt 50° = 1 Gr. Dünger ab. Da der grösste Gehalt an Kali 10°/, selten übersteigt, so ist der Fehler, den man durch Nichtbeachtung des Volumens des Niederschlages bezeht, höchstens '/,°/,. d. h. gleich der Toleranz im garantirten Gehalt an Kali.

b) Bei genauen Untersuchungen wird durch ein Filter decantirt, der Rückstand wiederholt mit Wasser ausgekocht und das Filter schliesslich mit heissem Wasser ausgewaschen. Nach dem Erkalten wird auf °%,,,°° verdünnt.

In beiden Fällen wird geprüft, ob die Flüssigkeit alkalisch reagirt. Ist die Reaction neutral, so setzt man einige Tropfen einer Lösung von Na? CO? zu, um zu sehen, ob sämmitliches Ba ausgefällt sei, sonst setzt man bis zur vollständigen Fällung tropfenweise noch Na? CO°- Lösung zu. In den meisten Fällen ist diess nicht nöthig;

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Mg ist schon durch das Glühen mit BaH?O? abge- schieden, braucht daher nicht extra entfernt zu werden. In 50° dieser Lösung wird das K?O durch Abdampfen mit Pt Cl* und Behandeln mit Weingeist auf bekannte Weise bestimmt.

Vortheile der Methode:

I. Vermeidung des Kaliverlustes beim Einäschern. U. Eine kurze Glühung anstatt 3 längere. III. Eine Filtration anstatt drei.

700. Sitzung vom 14. Januar 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender: Päsident Prof. Dr. J. Bachmannn. Se- kretär: J. Fankhauser 26 anwesende Mitglieder.

1) Passation der Jahresrechnung der bern. naturf. Gesellschaft pro 1879. Dieselbe wird von den Rechnungs- passatoren, Herren G. Langhans und Kesselring, zur Passation empfohlen, unter Verdankung an den Herrn Kassier, B. Studer jun., Apotheker.

Die Einnahmen‘ betrugen" „2 1..4%7, WFr3235. 87 Die Ausgaben . . . . a ENDE BUN N

Der Aktiv-Saldo pro 1879 beziffert: also auf Fr. 2543. 62

2) Ein Antrag von Hrn. Langhans, den Vermögensetat der Gesellschaft nicht mehr in der bisher üblichen Form darzustellen, wird nicht angenommen; dagegen ein zweiter, die Rechnung nicht auf Neujahr, sondern auf Frühjahr abzuschliessen, dem Vorstand zur Antragstellung über- wiesen.

3) Die Rechnung des Herrn Oberbibliothekars Koch wird genehmigt und verdankt. Der Rechnungsgeber hat laut derselben zu fordern : Fr. 337. 70.

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4) Herr Prof. Luchsinger hält einen Vortrag: „Zur Theorie der Reflexe und der Reflechemmung“. (Die Arbeit folgt in den Mittheilungen.)

5) Herr Prof. Dr. Th. Studer referirt „über die Ko- rallenfauna von Singapore*. (Folgt in den Mittheilungen.)

6) Auf die Anregung von Herrn Edm. v. Fellenberg hin, sollen die Traktanden für die Sitzungen der Gesell- schaft auch im „Berner Stadtblatt“* publicirt werden.

701. Sitzung vom 28. Februar 1880,

Abends 7'!/; Uhr im Hörsaal des chemischen Laboratoriums.

Vorsitzender : Präsident Prof. Dr. J. Bachmann. Se- kretär: J. Fankhauser. 36 anwesende Mitglieder und 12 Gäste.

1) Herr Prof. Dr. Schwarzenbach hält einen Vortrag über Weinverfälschung.

Prof. Schwarzenbach spricht in längerem Vortrage über Irrthümer und Fehlerquellen, welche in letzter Zeit in Betreff von Weinuntersuchungen und besonders für die Auffindung von Fuchsin als Färbemittel entdeckt worden sind. Er macht nachdrücklich darauf aufinerksam, dass das Verfahren, welches man den Ohmgeldbeamten als Voruntersuchung in die Hand gegeben hat, eine eigen- thümliche Gefahr des Irrthums in sich schliesse. Das Verfahren besteht bekanntlich darin, den zu untersuchen- den Wein mit überschüssigem, basisch essigsaurem Blei (Bleiessig) zu versetzen, wodurch der natürliche Weinfarbstoff' als unlösliche Bleiverbindung ausgefällt wird; die überstehende Flüssigkeit soll völlig farblos er- scheinen, während bei Anwesenheit von Fuchsin, welches durch den Bleiessig nicht gefällt wird, dieselbe roth oder wenigstens röthlich gefärbt bleibt. Redner hat nun in

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jüngster Zeit mehrere, besonders ungarische Weine ge- getroffen, welche nach der vorgeschriebenen Behandlung mit Bleiessig ein Filtrat von schwach rosarother Färbung lieferten, die wirklich mehrfach als von Fuchsin herrüh- rend erklärt worden war. Die röthliche Flüssigkeit lieferte einen braunen Abdampfungsrückstand, welcher an Alkohol kein Fuchsin abgab und überhaupt durchaus kein solches führte; es wird also davor gewarnt, die obige Methode für zuverlässig zu halten und empfohlen, dieselbe wenigstens immer durch die gewöhnliche Am- moniak-Aether-Methode zu kontroliren.

2) Herr Dr. Müller, Apotheker, verzichtet wegen der vorgerückten Zeit auf ein Correferat und möchte in einer spätern Sitzung die Resultate weiterer Untersuchungen, welche gemeinschaftlich mit Hrn. Prof. Schwarzenbach noch weiter geführt werden sollen, mittheilen. Herr Dr. Müller macht auf viele praktische Schwierigkeiten, welche sich bei den Weinuntersuchungen einstellen, aufmerksam. Namentlich wird es schwierig sein, im Falle diese Letztern allgemein eingeführt werden sollen, Angestellten eine kurze und sichere Methode für dieselben zu geben. Weitere Schwierigkeiten stellen sich in dem Masse ein, wie die Zahl der Farbstoffe wächst, welche zur Verfälschung des Weines gebraucht wird.

702. Sitzung vom 26. April 1880, Abends 7'!/; Uhr bei Webern.

Vorsitzender: Präsident Prof. Dr. J. Bachmann. Se- kretär J. Fankhauser. 25 anwesende Mitglieder und 1 Gast.

1) Herr Prof. Bachmaun gedenkt unseres verstorbenen Mitgliedes Apotheker Guthnik. Seine grossen Samm-

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lungen, die er während seines Lebens mit unermüdlichem Eifer angelegt, gehen in erster Linie an die Universität, in zweiter an die Gymnasien der Stadt Bern und Burg- dorf, sowie an die Progymnasien von Thun, Biel und Neuenstadt über.

2) Der Präsident erstattet den Jahresbericht pro 1879/80. (S. oben.)

3) Zur Aufnahme meldet sich Herr Xaver Imfeld, Ingenieur und Topograph auf dem eidgenösischen Stabs- bureau, und wird einstimmig aufgenommen.

4) Der Antrag von Hrn. Gymnasiallehrer Langhans, der Rechnungsabschluss möchte je mit dem Frühjahr stattfinden, wird abgelehnt. (Siehe Protokoll vom 14. Februar 1880.)

5) Zum Präsidenten wird gewählt: Herr Oberforst- inspektor Coaz; zum Vice-Präsidenten Herr Prof. Dr. Luchsinger.

6) Vortrag von Herrn Prof. Dr. Luchsinger.

Prof. Luchsinger sprach über eine zusammen mit Hrn. Prof. Guillebau ausgeführte Versuchsreihe, die am Centralnervensystem der Blutegel ausgeführt wurde. Den Ausgangspunkt der ganzen Untersuchung bildete eine Behauptung von Kruckenberg, dass Anesthetica be- sonders Aether, beim Blutegel ganz im Gegensatz zu dem von den Wirbelthieren her bekannten Verhalten nicht das Oentralnervensystem, sondern vor Allem die Muskeln lähmen sollten.

Kruckenberg hatte sich einer Methode partieller Vergiftung bedient. Luchsinger zeigte aber, dass die Angaben von Kruckenberg Aufhören der Mobilität bei erhaltener Sensibilität auf fehlerhafter Methode be- ruhen, eben nur auf Stromesschleifen zurückzuführen

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sind, welche auch auf die nicht vergifteten Theile ein- wirken müssen.

Die Resultate chemischer Reizung bewiesen dies in der That vollkommen evident. Hier verschwand auch die Sensibilität der vergifteten Theile; hatte sich aber Kruckenberg ausschliesslich electrischer Reizung bedient, deren Zuverlässigkeit bekanntlich eben der leidigen Stromesschleifen halber anderen Reizmethoden nach- stehen muss.

In der Folge wurden eine Reihe anderer Substanzen, Morphin, Strychnin '), Kalisalze untersucht.

Ihre Wirkung war auffallend übereinstimmend.

Durchweg werden zuerst, manchmal ausschliesslich die gangliösen Apparate gelähmt, doch nicht alle gleich- zeitig; vielmehr zeigten sich merkwürdige Stufenfolgen der Vergiftung, die aber bis in’s feinste Detail überall identisch sind, Verlust des Saugvermögens, der Spon- taneität, dann erst Abnahme des Schwimmens. Endlich Verlust der Sensibilität und Motilität der mittleren Segmente, erst zu allerletzt Einbusse dieser Leistung auch an den Endstücken. Und bemerkenswerther Weise reagiren die Endstücke zur Zeit völliger Lähmung der Mitte nicht nur für sich; sondern wenn nur ein Reiz das eine Ende trifft, sieht man eine Reizwelle durch. die ruhende Mitte hindurch an dem andern Endstücke er- scheinen.

Die auf den ersten Blick überraschende Reizüber- tragung durch ein sensibel wie motorisch gelähmtes Stück hindurch, erklärt sich aus dem Bau des Centralnerven- systems, das eine Kette unter sich gleichwerthiger me-

b) Die Strychninsalze wirken, wie Kruckenberg fand, und L. und G. bestätigten, auf den Blutegel vorwiegend narkotisch.

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tamerer Stücke darstellt, die alle mit dem leitenden Kopfe in direkter nervöser Verbindung stehen.

Die grössere Zähigkeit der Endstücke aber dürfte aus ihrer wichtigeren Funktion, aus einer häufigeren sensibeln wie motorischen Inanspruchnahme abzuleiten sein.

Je häufiger ein Organ in Funktion tritt, um so besser wird es gegen schädigende Einflüsse gestärkt.

7) Vortrag von Herrn Dr. Graf: „Zur Bestimmung der specifischen Wärme bei constantem Volumen von Gasen“. (Folgt in den Mittheilungen.)

703. Sitzung vom 15. Mai 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor (oaz. Sekretär J. Fankhauser. 11 anwesende Mitglieder.

1) Der Herr Präsident begrüsst die Versammlung mit einer kurzen Ansprache.

2) Herr Dr. Gräfe, Privatdocent der Mathematik, und Herr Secundarlehrer J. Käch, werden auf ihr Auf- nahmsgesuch hin einstimmig aufgenommen.

3) Herr Prof. Dr. J. Bachmann hält einen Vortrag über „eine eigenthümliche Structur der hiesigen Kies- sruben“. (Folgt in den Mittheilungen.)

4) Herr Prof. Dr. Th. Studer spricht

a) „Ueber den Fund von Resten der Gemse in der. Pfahlbaustation Lattrigen am Bielersee“. (Folgt in den Mittheilungen.)

b) „Ueber die Anatomie von Siphonaria redimiculum, Reeve‘. Dieselbe fand sich häufig auf Kerguelens- land an Felsen über der Fluthlinie angeheftet. Die Stellung im System schwankt noch immer; sie wurde

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bald den Opistobranchiaten, bald den Prosobran- chiaten, bald den Lungenschnecken zugezählt. Eine ausführliche Anatomie hat Dallin American Journal of Conchology, Vol. VI, 1870, geliefert. Derselbe hebt die Aehnlichkeit des innern Baues mit Gadinia hervor. Er beschreibt den Geschlechtsapparat als getrennt, männlichen und weiblichen Apparat in einem Thier. Der Vortragende findet dagegen eine Zwitterdrüse nebst Receptaculum seminis und einem Penis, in dessen Ende eine Drüse mündet, der ver- meintliche Hoden Dall’s. Das Vorhandensein einer Zwitterdrüse nähert das Thier noch mehr den Lungenschnecken und zwar den Basammatophora, denen der Vortragende die Form direkt unterordnen möchte.

5) Herr Forstinspektor Coaz macht kleinere Mit- theilungen über das frühe Aufblühen von Gentina verna und Primula farinosa bei St. Margaretha im Rheinthal (410”). Entsprechende Beobachtungen wurden gemacht in Realp (1600"). Dort blüthen am 3. Mai Gentiana acaulis, Gentiana verna, Polygala Chamaebuxus. In gleicher Zeit blühte in geschützter Lage der Birnbaum, und Spargeln erhoben sich bis zu 25 Ctm. Höhe.

704. Sitzung vom 29. Mai 1880, Abends 7!;, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor Coaz. Sekretär J. Fankhauser. 14 anwesende Mitglieder und 2 Gäste.

Herr Prof. Dr. Pflüger hält einen Vortrag über den gegenwärtigen Stand der Farbenblindheitsfrage, mit beson- derer Berücksichtigung der vielfachen neu entstandenen

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Untersuchungsmethoden. Nachdem er einleitend die beiden sich gegenwärtig gegenüberstehenden Theorien der Farben- empfindung und ihrer Anomalien, die Dreifarbentheorie von Helmholz und diejenige von Hering, welcher neben der Empfindungsreihe von Weiss und Schwarz die beiden antagonistischen Empfindungsreihen von Roth und Grün, und Gelb und Blau annimmt, die sämmtlich durch che- mische Vorgänge ausgelöst werden, auseinandergesetzt hat, demonstrirt er mit wenigen Ausnahmen sämmtliche neueren Untersuchungsmethoden. Um dieselben möglichst plastisch darzustellen, lässt er sie direkt ausführen durch ein Mitglied einer Bernerfamilie, welche durch die eigen- thümliche zweihundert Jahre hinauf durch schriftliche Belege nachgewiesene Vererbung der Farbenblindheit das Interesse der Naturforscher auf sich gezogen hat. In dieser Familie überspringt die typische Rothgrünblindheit, nur männliche Glieder treffend, je die zweite Generation. Vom Vater wird sie durch die Tochter auf ein oder mehrere Enkel vererbt, während die Töchter selbst sowie die Söhne und deren Nachkommen frei von der Anomalie bleiben. Dieses Individuum, dessen Rothgrünblindheit über allem Zweifel steht, das seiner Anomalie seit vielen Jahren bewusst ist, gab dader gleich einen Prüfstein ab über den Grad der Zuverlässigkeit der einzelnen Methoden.

Der Reihe nach kommen folgende Untersuchungs- methoden zur Demonstration:

1. Die Spectraluntersuchung, ausgeführt mit dem Doppelspectroskop von Hirschberg, welches 2 Spectren über einander verschieben lässt, vor denen zur Ver- gleichung mit Hülfe eines Vierordt’schen Schiebers beliebig schmale Streifen isolirt werden können.

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2. Die Benennung der Farben in der Kadde’schen Farbentafel. 3. Simultancontrast.

a) Farbige Schatten.

b) Florpapiercontrast in Form der neuen vom Refe- renten herausgegebenen Farbentafeln, bei denen schwarze und verschieden graue Buchstaben, auf farbigen Grund gedruckt, durch einen übergelegten Flor gelesen werden sollen.

4. Die Untersuchung mit dem Polariskop (Farben- messer von Rose), bei welcher das obere Nicol so lange gedreht wird, bis die beiden complementär gefärbten Felder dem Daltonisten gleichfarbig erscheinen.

5. Wahlproben.

a) Holmgrens Probe. b) Wollentäfelchen von v. Reuss.

6. Pseudo-isochromatische Proben.

a) Stilling’s Tafeln. b) Cohn’s gestickte Wollproben. c) Farbentafel von Dax.

Die Durchmusterung dieser Proben, mit Hülfe des vorgestellten Daltonisten K., ergab übereinstimmend mit den Resultaten, zu welchen Referent bei Untersuchung grosser Zahlen von Individuen auf Farbenblindheit schon längere Zeit gekommen ist, dass für die Untersuchung im praktischen Leben auf Farbenblindheit, z. B. des Eisen- bahnnersonals etc. als zuverlässig und zugleich leicht zu handhaben die 3 Methoden von Holmgren, von v. Reuss und vom Referenten empfohlen werden können.

Sitzungsberichte 1880. 2

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705. Sitzung vom 19. Juni 1880, Abends 7!!, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor Üoaz. Sekretär J. Fankhauser. 15 anwesende Mitglieder.

1) Der Austritt von G. Reymond, Redaktor des „In- telligenzblattes“, wird notirt.

2) Nachdem der Herr Kassier B. Studer über den Stand unserer Kasse referirt, wurde nach kurzer Dis- kussion beschlossen, an der Errichtung einer meteorolo- gischen Station auf dem Glärnisch mit Fr. 600 sich zu betheiligen. Der Betrag wird in 3 jährlichen Raten & Fr. 200 ausbezahlt, die erste Rate ist zahlbar im Jahr 1881.

3) Herr Prof. Dr. Th. Studer hält einen Vortrag über „die statistische Aufnahme der Farbe der Haut und der Augen im Kanton Bern“. (Folgt in den Mittheilungen.)

706. Sitzung vom 10. Juli 1880, Abends 7!ja Uhr im Hötel Victoria.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor Coaz. Sekretär J. Fankhauser. 14 anwesende Mitglieder.

1) Herr Prof. Dr. J. Bachmann: Mittheilung eines Aufsatzes von Hrn. Dr. Quiquerez, „notice sur quelques produits observes dans la demolition des hauts-fourneaux du Jura bernois“. (Die Arbeit folgt in den Mittheilungen und soll dem Hrn. Verfasser schriftlich verdankt werden.)

2) Herr Prof. A. Guillebeau : „Kleinere teratologische

Mittheilungen“. (Folgt in den Mittheilungen.)

707. Sitzung vom 31. Juli 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Vicepräsident Prof. Dr. Luchsinger, Sekretär J. Fankhauser. 3 anwesende Mitglieder.

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1) Herr Secundarlehrer Grünig erklärt seinen Austritt.

2) Herr Fankhauser macht einige Mittheilungen über das Wachsthum der Farrenkrautblätter.

3) Herr Prof. Luchsinger trägt neue, von ihm gemein- schaftlich mit Hrn. Dr. med. Arnold von Menzingen an- gestellte Untersuchungen über vergleichende Physiologie und Toxikologie wirbelloser Thiere vor. Dieselben folgen als Dissertation des Hrn. Arnold in den Mittheilungen.

4) Herr Prof. Dr. Th. Studer demonstrirt eine Tabelle der nützlichen und schädlichen Vögel, von Prof. Dr. Burbach in Gotha.

Es wird die übersichtliche graphische Darstellung des Nutzens und Schadens der wichtigsten einheimischen Vögel hervorgehoben, welche gestattet mit einem Blick den vorwiegenden Nutzen oder Schaden der Arten zu übersehen, im Gegensatz zu den meist einseitigen Ver- zeichnissen nützlicher und schädlicher Vögel. Die Tabelle

empfiehlt sich für Schulen und forstwissenschaftliche Anstalten.

708. Sitzung vom 30. Oktober 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor Coaz. Sekretär: für denselben Hr. Studer, Kassier. 18 an- wesende Mitglieder.

1) Der Präsident begrüsst die Versammlung bei Wiederaufnahme der Sitzungen und ersucht um recht lebhafte Betheiligung an den Vorträgen und Mittheilungen.

2) Eine Liste zur Unterzeichnung für Vorträge wird in Circulation gesetzt.

3) Es werden in den Verein, auf eingegangene An- meldungen hin, aufgenommen :

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a) Herr Secundarlehrer Gottfried Spahr in Wimmis und po) Herr Gaudenz Lütscher, Lehrer an der landwirth- schaftlichen Schule Rütti.

4) Der Präsident bemerkt, dass auf sein Ansuchen hin, Hr. Ingenieur v. Fellenberg die Güte gehabt, unsere Gesellschaft bei der Versammlung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft in Brieg zu vertreten.

5) Auf Antrag des Vorstandes wird beschlossen, nach Ablauf des gegenwärtigen Gesellschaftsjahres die Mit- theilungen in zwangloser Folge (Bestimmung vom Art. 26 der Statuten) und insoweit das Material ausreicht in Vierteljahrsheften erscheinen zu lassen, jedenfalls aber in nicht weniger als 2 Heften pro Jahr. Die Hefte eines Jahrgangs haben einen Band zu bilden.

6) Herr Lehrer Fankhauser ersucht schriftlich um Enthebung vom Sekretariat nach. In Betracht der im betreffenden Schreiben angeführten Gründe wird ihm, wenn auch ungern, entsprochen. Die Neuwahl wird auf nächste Sitzung verschoben.

7) Der Herr Bibliothekar wird ersucht, aus den der Gesellschaft zugehenden Werken und Schriften von Zeit zu Zeit solche von allgemeinerem Interesse in den Sitzun- gen vorzulegen.

8) Herr Dr. G. Haller verliest einen, von zahlreichen Demonstrationen unterstützten Vortrag über die Larven- formen der Milben und über ihre Bedeutung für die mo- derne Zoologie. Der Vortragende weist vor Allem auf die Bedeutung der Kenntnisse von den Larvenformen, auf die vergleichende Entwicklungsgeschichte hin. Er zeigt hierauf an einigen Beispielen die enormen Verände- rungen, welehe die Systematik und Biologie durch die modernen, in dieser Hinsicht unternommenen Forschungen

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erfahren hat. So tragen namentlich auch bei den Milben eine grosse Anzahl Larvenformen diejenigen Bezeich- nungen, welche ihnen früher zu Theil wurden, als‘ man sie noch als selbständige Thierformen in eigenen Gat- tungen beschrieb. Dieses gilt namentlich von den Hy- popus, Homopus, Leptus, Astoma ete. Die Ersteren unterbrechen den regelmässigen Entwicklungsgang der niederen Acariden nur im Nothfall, wenn nämlich die Existenzbedingungen für die regelmässig geformten Thiere unmöglich geworden sind. Sie bilden so, wie zuerst M&snin gezeigt hat, ein Reisekleid, bestimmt zur Erhal- tung und Aussaeung der Species, welcher sie angehören. Aehnliche Entwicklungsverhältnisse, wie wir sie hier von den niederen Milben als Ausnahmen kennen gelernt haben, kehren bei den höheren als Regel wieder. Der Entwicklungsgang wird in ganz regelmässiger Weise- von einem Deutovum, in der Regel sogar von einem Trito- vumstadium unterbrochen, wie dies namentlich von Claparede für eine Gattung gezeigt wurde. Doch gibt es noch einige ähnliche Larvenformen, zu denen Leptus und Astoma gehören. Der Vortragende schildert nun die Geschichte und Verwandlung jeder einzelnen Form und schliesst mit einem kurzen zusammenfassenden Ueberblick über das bisher Geleistete.

9) Herr Jenner berichtet über seine entomologische Ausbeute dieses Jahres in 14 Sammeltagen am Simplon mit Vorweisung des Gesammelten.

709. Sitzung vom 13. November 1880, Abends 7!/; Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor Üoaz. Sekretär: für denselben Dr. G. Beck. 15 anwesende Mitglieder.

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1) Als Sekretär wird gewählt Herr Dr. G. Beck.

2) Herr Fürsprecher Lindt zeigt seinen Austritt aus der Gesellschaft an.

3) Auf eingegangene Anmeldung hin wird in die Ge- sellschaft aufgenommen: Hr. Dr. Markusen, Privatdocent in Bern.

4) Auf ein Gesuch des Hrn. Dr. Uhlworm, Redaktor des bot. Centralblattes, die Gesellschaft möchte sein Blatt durch Zusendung der hier gehaltenen bot. Vorträge und durch Abonnement unterstützen, wird beschlossen, demselben jeweils ein Exemplar der Mittheilungen zu- zusenden.

5) Die Beschlussfassung über ein Ansuchen der zoolog. Station in Neapel, ihre Publikationen durch Subskription zu unterstützen, wird verschoben, bis nähere Erkundigun- gen vorliegen, ob die Stadtbibliothek das Werk nicht anschaffe.

6) Herr Prof. Bachmann weist der Gesellschaft die beiden ersten Bände der Mittheilungen der aargauischen naturforschenden Gesellschaft vor.

7) Herr Prof. Bachmann theilt die ihm von Hrn. Dr. Quiquerez, Mineninspektor im Jura, übermittelten Notizen über die Entstehung der Bohnerzlager im Dels- bergerthal, mit. Die schon 1852 von Gressli angenom- mene Entstehung aus Ablagerungen heisser Quellen erhält durch die etwa 30jährigen Beobachtungen des Hrn. Dr. Quiquerez volle Bestätigung. Ueberdies ergaben sich neue wichtige Anhaltspunkte zur Altersbestimmung dieser Schichten, wonach dieselben definitiv älter als die untere Süsswassermolasse angenommen werden müssen. Eine später erfolgte starke Abschwemmung lässt sich fernerhin meist leicht konstatiren. Hr. Dr. Quiquerez will diese

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Mittheilung aber noch nicht zum Drucke geben, da er der bern. Gesellschaft nächstens eine umfassende Arbeit über diese Schichten zu übergeben gedenkt.

Herr Prof. Bachmann fügt zur nähern Erklärung der Verhältnisse noch an, es zeichnen sich die Bohnerzschichten des Thales von Delsberg gegenüber andern schweizerischen Vorkommnissen, die viele ausgezeichnete Petrefakten ent- halten, dadurch aus, dass solche vollständig fehlen. Er besprach besonders die Bohnerzbildungen von Ober-Gösgen, Egerkingen und von Mormont bei La Sarraz und wies eine Anzahl charakteristischer Petrefakten jener Schichten vor, welche sich zum Theil in der Form wahrer Knochen- breccien vorfinden. Die Annahme der Entstehung von Bohnerzlagern aus heissen Quellen sei aber jedenfalls nicht für alle Fälle gültig, wenigstens weisen einzelne derartige Bildungen in den Steinbrüchen von Solothurn unbestreitbar auf die Entstehung aus Schwefelkies. Zur Erläuterung der im Thale von Delsberg stattgehabten Abschwemmungen gibt der Vortragende eine Uebersicht der tertiären Formationen jener Gegend.

8) Herr Prof. Bachmann macht Mittheilung von einem neuen Vorkonmen von Schwerspath bei Thun. (Folgt in den Mittheilungen.)

9) Herr Präsident Coaz theilt aus dem Bericht des Vereins für Naturkunde in Cassel eine neue Theorie über die Bildung schief liegender Riesentöpfe mit.

10) Herr Notar Jäggi weist eine Anzahl von ihm am Simplon gefundener abweichender Formen von Lycaena. Escheri vor, von denen er glaubt, dass sie mit der in ältern Werken angeführten Species L. Lyeidas identisch seien.

11) Herr Edm. v. Fellenberg weist ueu acquirirte Nephritstücke vor, die von der Süd-Insel von Neuseeland

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stammen und unter denen sich einige werthvolle bearbeitete Stücke, eines sogar aus der Cook’schen Sammlung her- rührend, befinden.

710. Sitzung vom 27. November 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Präsident Oberforstinspektor (Coaz. Sekretär Dr. G. Beck. 38 anwesende Mitglieder und 1 Gast.

1) Das Protokoll der Sitzung vom 13. November wird verlesen und genehmigt.

2) Herr Telegraphensekretär Rothen spricht über den gegenwärtigen Zustand der Telephonie.

Durch die Vereinigung des von Hughes erfundenen Mikrophons mit dem Telephon ist das Letztere in eine neue Phase getreten. Wird das Telephon für sich allein zur Unterstützung des gesprochenen Wortes benützt, so liegt die Elektrieitätsquelle einzig in den Bewegungen, welche die schwingende Platte in einem magnetischen Felde ausführt, und da diese Schwingungen ausserordent- lich klein sind, so sind auch die induzirten Ströme mi- nimal. Das Mikrophon gestattet die Anwendung einer Batterie von 1—2 Elementen, deren Strom direkt durch das Telephon geleitet: werden kann. Im Prinzip wird das Mikrophon stets aus mehreren Kohlenstücken bestehen, die einen mässigen Druck auf einander ausüben und von denen eines mit einer schwingenden Platte in Verbindung steht. Wird gegen letztere gesprochen, so übertragen sich die Lufststösse auf die Kohlen und der Druck variirt nach der Stärke der Wellen. Druckänderungen der Kohle bedingen jedoch Widerstandsänderungen und diese wie- derum Schwankungen der Stromstärke, die sich im Tele-

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phon als Laute manifestiren. Die Reproduktion wird jedoch schärfer und reiner, wenn die primären Ströme nicht direkt benutzt werden. Zu diesem Ende wird der primäre Schliessungsbogen durch die innern Windungen einer Induktionsspule geführt, deren äussere Windungen einen Theil des Telephonstromkreises bilden. In Folge dessen wird durch das Telephon so lange kein Strom kreisen, als das Diaphragma des Mikrophons ruhig bleibt, und statt blossen Stromschwankungen hat man im Tele- phon wirkliche Stromwellen von relativer Kürze und Intensität, die mit stromlosen Pausen abwechseln.

Der Mikrophonsysteme gibt es eine grosse Anzahl. Diejenigen von Edison, Blake, Berliner und Theiler wurden vorgezeigt und in ihren Einzelheiten beschrieben. Ausser-

dem war ein Doppelapparat mit Theiler’schen Mikrophonen

und Bell’schen Telephonen aufgestellt, um die Wirksam- keit der neuen Systeme den Anwesenden in der Praxis vorzuführen.

3) Herr Prof. Luchsinger hält einen Vortrag über den Einfluss des Lichts und der Wärme auf die Iris einiger Kaltblüter. (Folgt in den Mittheilungen).

711. Sitzung vom 11. Dezember 1880, Abends 7!/, Uhr bei Webern.

Vorsitzender : Vicepräsident Prof. Dr. Luchsinger. Se- kretär Dr. G. Beck. 20 anwesende Mitglieder u. 2 Gäste.

1) Das Protokoll der Sitzung vom 27. November wird genehmigt.

2) Herr Prof. Fischer zeigt eine äusserst hygros- kopische Selaginella aus Kalifornien vor, die sich in ähn- licher Weise wie die Jerichorose beim Befeuchten flach ausbreitet.

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3) Herr Prof. Fischer demonstrirt einige Proben unterirdischer Pilze, welche Hr. Dr. Quiquerez in den Minen des Delsbergerthales gefunden hat. Es sind weiss- liche, häutige oder fächerartig verzweigte Mycelien, ferner missbildete Fruchtkörper einer Agaricinee. Die Stiele sind übermässig verlängert, einzelne bis 40 Ctm. lang; mehrere derselben tragen kleine, mehr oder weniger ver- kümmerte oder missbildete Hüte, die auf der Unterseite deutliche Lamellen zeigen. Andere Stiele sind ohne Hut, nach oben zugespitzt, oder mit einer schwach kopfigen Verdickung, von welcher sich schwache Längsleisten (rudimentäre Lamellen) eine Strecke weit abwärts ziehen. Zwischen den Stielen kommen stellenweise seitliche Ver- wachsungen vor. Diese, systematisch nicht sehr be- stimmbaren Fruchtkörper gehören ohne Zweifel einer normal oberirdisch wachsenden Agaricus Art an, von welcher die Mycelien mit dem eingeführten Holzwerk in die Tiefe gelangten. Ueber die nähern Verhältnisse des Vorkommens gibt folgender Brief des Hrn. Dr. Quiquerez Auskunft:

« Dans les travaux souterrains des mines de fer du Jura bernois, on trouve quelquefois des champignons qui tapissent les parois boisees et m&me les argiles, mais toute fois ils prenneut naissance dans le bois et de la ils .s’etendent en rameaux de la plus grande delicatesse. Ils forment des globes cotoneux suspendus par un fil; ils pendent en filaments et ils affeetent des formes diverses qui semblent indiquer des especes ou des varietes.

« Les galeries, ol ils se rencontrent, sont dans une obscurit& absolue et de resulte la grande blancheur de ces plantes privees de lumiere, mais elles ternissent promptement ä l’air et en sechant. Ces galeries ont peu

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d’air et la temperature moyenne est de 12 & 14° Reau- mur, avec une certaine humidite.

« J’ai cueilli les &chantillons ei-joints le 24, ä& 150 pieds de profondeur, & pres de 2000 pieds de distance de l’ouverture de la galerie. Ils ne different point d’au- tres champignons observes dans diverses minieres, avec des conditions analogues. Ils prennent naissance sur le bois en d&composition par suite de ’humidite.

« Il n’est pas facile de les sortir intacts de ces gale- ries obscures et tres basses, il faut marcher toujours pli& en deux et souvent les pieds dans l’eau, heurtant de la tete et des Epaules contre du bois saillant de toutes parts. »

Bellerive, 25 Juillet 1880. D' Quiquerez.

Der Vortragende bespricht anschliessend an diese Demonstration analoge Vorkommnisse, welche zum Theil schon in älterer Zeit von Hoffmann (Vegetabilia in Her- cynia subterranea), Humboldt in seiner Flora Fribergensis, Bulliard u. A. beschrieben und abgebildet wurden. Es werden ferner die neuern Versuche von Brefeld über die

Wirkungen des Lichts und der Dunkelheit auf einige

Coprinus-Arten mitgetheilt und die bezüglichen Verhält- nisse der Mycelien und Rhizomorphen erläutert. Hierauf wendet sich der Vortragende zur Erörterung der normal unterirdischen Pilze, welche ihre ganze Entwicklung bei Abschluss des Lichtes vollenden, speziell der beiden Gruppen der Tuberaceen und Hymenogastreen, deren Verhältnisse durch Vorlage der Tafeln von Tulasne’s Fungi hypogaei erläutert werden. Schliesslich werden noch als Beispiele eigenthümlicher Einwirkungen des Lichtes auf Pilze die Beobachtungen von de Bary über heliotropische Krümmungen der Perithecienhälse von

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Sordaria und die Erscheinungen an den Plasmodien von

Fuligo varians erwähnt.

4) Herr Schuldirektor Schuppli zeigt an, dass von ihm in der letzten Woche des November und in der ersten des Dezember dieses Jahres folgende Pflanzen im Freien

blühend gefunden worden seien:

. Ranunculus acris.

. R. bulbosus.

. Caltha palustris.

. Sinapis arvensis.

. Raphanus Raphanistrum. . Capsella bursa pastoris. . Viola tricolor.

. Stellaria media.

. Sagina procumbens.

. Cerastium triviale.

. Trifolium pratense.

. Achillea Millefolium.

. Bellis perennis.

. Chrysanthemum Leucanthemum. . Crepis biennis.

. Senecio vulgaris.

. Sonchus oleraceus.

. Taraxacum officinale.

. Erigeron acris.

. Knautia arvensis.

. Scabiosa columbaria.

. Anthriscus sylvestris.

. Fragaria vesca,

. Thymus Serpyllum.

. Antirrhinum majus.

. Linaria Cymbalaria.

Dr Ha Se

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Veronica Buxbaumii. V. hederifolia.

V. agrestis.

V. serpyllifolia.

Vinca minor.

Primula acaulis (Garten). Lamium purpureum. L. maculatum. Campanula rotundifolia Euphorbia helioscopia. Mercurialis annua. Poa annua.

Holcus lanatus. Dactylis glomerata. Pimpinella Saxifraga. Potentilla reptans. Viola odorata. Primula elatior.

5) Herr Prof. Luchsinger hält einen durch physiolo- gische Experimente erläuterten Vortrag über die Leitung nervöser Erregung. (Folgt in den Mittheilungen).

6) Auf geschehene Anmeldung hin wird in die Ge- sellschaft aufgenommen : Hr. Ulrich Bigler, Lehrer an der Lerberschule.

Verzeichniss

der

im Jahre 1880 der Bibliothek der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft zugekommenen Schriften.

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Bemerkungen.

1. Für die Bestimmungen über Benutzung der Bibliothek etc. siehe Mittheilungen der naturforschenden Gesellschaft in Bern, 1873, pag. 67.

2. Das nachstehende Verzeichniss enthält die Schriften in alphabetischer Ordnung; die Namen in den Parenthesen bezeichnen die Geber, ferner bedeutet (T)... durch Tausch, (K)... durch Kauf, (G)... als Geschenk und (V)... vom Verfasser.

D 3124

SR A 2126

A 2126 A 2126 D 1270 D 1881 D 2121 E 1438

E 229

A.

Aarau, Aargauische naturforschende Gesellschaft, Mittheilungen, Heft 1 und 2. Aarau, 1880. BET)

Academie, Leopoldinische- Carolinische,der Natur- forscher, Leopoldina 12—15. Halle, 1876—79. ACT.)

Nova acta; XXXIX. XL. Halle. 4. (T.)

Albany, University of New-York, annual report 88—92. Albany, 1875--79. 8. (T.)

annual report on the Museum of nat. hist. 27—31. Albany, 1875—79. 8 (T.)

New-York State library, annual report 58—61. Albany, 1876-79. 8. (T.)

Amsterdam, K. Academie, Jaarboek, 1878. Am- sterdam. 8. (T.)

Verslagenen mededeelingen. II Reeks XIV.

Amsterdam, 1879. 8. (T.)

Annaberg-Buchholz, Verein f. Naturkunde, Jahres- bericht 5. Annaberg, 1880. 8. (T.)

Association, american for the advancement of science 1878 (St-Louis XXVID. 8. (T.)

british for the advancement of science, reports 1879 (Sheffield). 8. (T.)

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